Vom „Schandfleck“ zum Zukunftsprojekt

Nach über 20 Jahren Bemühungen konnte die Gemeinde das denkmalgeschützte Gebäude schließlich erwerben. Aus einer lange vernachlässigten Immobilie soll nun ein Ort mit neuer Bedeutung für die Gemeinde entstehen.

Warum fiel die Entscheidung für den Kauf? Welche Rolle spielte der Denkmalschutz – und wie geht man mit der Geschichte des Hauses um? Darüber hat Florian Boisseree der Th Augsburg den Bürgermeister der Gemeinde Egling a.d. Paar, Herrn Holzer schriftlich interviewt.

Foto vom interviewten Bürgermeister Egling a.d. Paar Ferdinand Holzer
Ferdinand Holzer Bürgermeister Egling a.d. Paar, Fotoquelle: Thorsten Jordan

„Aus einem Schandfleck ein Schmuckstück machen.“

Welche Gründe waren ausschlaggebend dafür, dass die Gemeinde sich zum Erwerb dieses denkmalgeschützten Gebäudes entschlossen hat?

Nachdem die Gemeinde schon seit über 20 Jahren versuchte, die Liegenschaft zu erwerben, gab es jetzt die Möglichkeit zu einem Grundstückstausch. Grund für den Erwerb ist es, aus einem „Schandfleck“ ein Schmuckstück zu machen.

Gab es Alternativen zum Kauf – etwa einen privaten Erwerb oder eine andere Nutzung durch Dritte?

Die Erbengemeinschaft hat jahrelang ebenso einen privaten Erwerb abgelehnt, wie auch den Erwerb durch die Gemeinde.

Welche Bedeutung hatte der denkmalpflegerische Wert des Hauses bei der Entscheidungsfindung?

Der hatte eine große Bedeutung, da sich in unmittelbarer Umgebung mehrere denkmalgeschützte Objekte befinden (Haustüre Badstr. 1, Pfarrhaus, Kirche St. Vitus).

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen bei der Verbindung einer zeitgemäßen Nutzung mit den Anforderungen des Denkmalschutzes?

Die kleinteilige Raumgestaltung; eine (sinnvolle) Entkernung wird wohl nicht möglich sein.

Wie ordnet die Gemeinde heute die NS-Vergangenheit des Gebäudes ein?

Ich tue mich schwer damit, von einer NS-Vergangenheit des Gebäudes zu sprechen. Viel mehr trifft NS-Vergangenheit bestimmter Personen deutlicher zu.

Ist vorgesehen, die Geschichte des Hauses – insbesondere die Zeit des Nationalsozialismus – künftig öffentlich sichtbar oder vermittelbar zu machen?

Ja, das kann ich mir in der Gefängniszelle gut vorstellen; ähnlich wie es am „Tag des offenen Denkmals“ gestaltet wurde.

Gibt es Pläne für die Nutzung des Gebäudes?

Nein, noch nicht.

Ist eine kulturelle, pädagogische oder erinnerungspolitische Nutzung denkbar oder geplant?

Denkbar ja, konkretes ist (noch) nicht geplant.

Gibt es bereits einen groben oder konkreten Zeitplan für Sanierung und Nutzung?

Es gibt im Moment nur einen Zeitplan zur Sicherung des Gebäudes, nämlich Frühjahr 2026.

Wie wurde der Erwerb des Gebäudes in der Öffentlichkeit aufgenommen?

Sehr viele positive Stimmen, aber auch negative („Wegreißen das Klump“)

Was hat Sie persönlich bei diesem Projekt am meisten beschäftigt oder herausgefordert?

Der Erwerb.

Woran würden Sie selbst in fünf oder zehn Jahren messen, ob der Kauf dieses Gebäudes richtig war?

Dass es saniert ist und eine sinnvolle Nachnutzung erfahren hat.

Wie haben Sie bislang die Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden und Fachstellen erlebt?

Tatsächlich sehr gut; sei es mit der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landratsamtes Landsberg oder mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Die Zusammenarbeit mit Behörden funktioniert sehr gut!

Die Gemeinde hat sich entschieden, Verantwortung für dieses Stück Geschichte zu übernehmen.

Das Interview zeigt deutlich: Dieses Haus ist mehr als nur ein Bauprojekt. Es steht an der Schnittstelle zwischen Denkmalschutz, lokaler Geschichte, öffentlicher Erinnerung und zukünftiger Nutzung. Noch ist vieles offen. Doch der erste Schritt ist getan: Die Gemeinde hat sich entschieden, Verantwortung für dieses Stück Geschichte zu übernehmen.