
Mehr als nur eine Notsicherung
Schwer beschädigte Denkmäler werden oft durch provisorische Notmaßnahmen, vor allem temporären Abdeckungen gesichert. Diese Maßnahmen erfolgen als letzte Möglichkeit, das totale Verschwinden des Denkmals hinauszuzögern. In vielen Fällen zeigt sich, dass die zeitliche Begrenzung der Wirksamkeit den Verfall nur vorübergehend stoppen kann. Für viele Besitzer des Denkmals stellen diese Zwischenmaßnahmen keine befriedigende Lösung dar, weil das eigentliche Problem der Instandsetzung und einer Anfangsnutzung damit nur verschoben ist. Außerdem entstehen durch die Notsicherung und deren Rückbau teils erhebliche Kosten.
Das hier vorgelegte Konzept für das Wohnstallhaus Grafenwiesen schlägt ein erweitertes Notsicheungskonzept vor. Sie beinhalten eine schnelle Umsetzung von Sicherungsmaßnahmen, die so konzipiert und durchgeführt werden, dass sie auch als dauerhafte Lösungen funktionieren können, aber nicht müssen.
Pilotobjekt Wohnstallhaus Grafenwiesen
Das Wohnstallhaus wurde durch einen Brand stark beschädigt. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass die Schäden räumlich begrenzt blieben. Die historisch wertvollen, sehr alten Bauteile im Erdgeschoss – in Stube, Kammer und Fletz – sind kaum betroffen, Teile der Sparren noch erhalten. Der Dachstuhl wurde zwar zu einem späteren Zeitpunkt angehoben und steiler gestellt, die Ausführung dieser Maßnahme war allerdings amateurhaft. Untersuchungen im Rahmen der Notfallsicherung haben ergeben, dass es sich bei dem Gebäude mutmaßlich um eines der ältesten noch erhaltenen Bauernhäuser im Bayerischen Wald handelt.
Notsicherung Plus
Das erweiterte Notsicherungskonzept "Notsicherung Plus" sieht ein neues Dach aus Massivholzplatten vor, das auf Holzwänden aufgelagert wird. Der Boden des neuen Holzeinbaus besteht aus dünnen Holzplatten, gedeckt wird das Dach mit Falzziegeln. Sämtliche historischen Bauteile sollen erhalten bleiben – soweit sie nur noch in Teilen zu retten sind, werden sie in die neue Struktur integriert.
Anstatt eines notdürftigen Provisoriums, das wieder entfernt werden muss, wird eine vollwertige Überdachung mit angegliederten Nutzraum geschaffen. Der Raum ist sofort nutzbar und markiert den Beginn der zukünftigen Sanierungsmaßnahme.
Die gewählte Massivholzkonstruktion lässt sich als zeitgemäße Fortführung der traditionellen Holzblockbauweise verstehen. Ihre schlanke Ausführung, insbesondere im Dachbereich, nimmt die Maßstäblichkeit des Altbaus auf und nähert die äußere Erscheinung des Gebäudes wieder dem Zustand vor der Brandkatastrophe an.