Einblicke aus der Summer School „Denkmal und Fenster" von Theresa Haase

Ende Mai wurden im Erdgeschoss des SWA-Turms drei Fenster im Rahmen einer Summer School fachkundig ertüchtigt. Unter der Anleitung von Vincent Opel (Holzwerke V.L.O.) arbeiteten sich 10 Studierende – dem individuellen Zustand des Flügels entsprechend – schrittweise durch alle Arbeitsphasen.

Historische Holzfenster sind weit mehr als reine Bauteile. Sie sind Zeugen ihrer Zeit, Träger handwerklicher Tradition und sichtbarer Bestandteil der Baugeschichte. Wer ein denkmalgeschütztes Fenster saniert, übernimmt daher eine besondere Verantwortung:

Es geht nicht darum, etwas Altes durch etwas Neues zu ersetzen, sondern darum, das Vorhandene zu verstehen, zu erhalten und behutsam wieder funktionsfähig zu machen.

Mit dieser Fragestellung gingen in der Summer School „Denkmal und Fenster" die Studierenden zusammen mit dem Schreinermeister Vincent Opel nach. Dabei wurde in einem ersten Schritt dem wichtigsten Grundsatz der Denkmalpflege nachgegangen: Beobachten vor dem Handeln. Bevor auch nur ein Werkzeug angesetzt wird, steht die Bestandsaufnahme. Das Fenster wird als Ganzes wahrgenommen, seine Materialien, sichtbare Schäden, Zeichen von Feuchtigkeit und Alterung. Viele Schäden wirken auf den ersten Blick dramatischer oder harmloser als sie tatsächlich sind. Erst durch genaues Anfassen, Prüfen und Vergleichen zeigt sich, welche Bereiche erhalten werden können und wo wirklich eingegriffen werden muss.

„Nicht alles, was alt aussieht, ist kaputt.“

Im nächsten Schritt lernten die Studierenden, ein historisches Fenster fachgerecht zu demontieren, und zwar nicht als schnellen Ausbau, sondern als Teil der Untersuchung. Denn jedes originale Bauteil trägt Informationen über die Geschichte des Fensters. Beim vorsichtigen Zerlegen wurde sichtbar, welche Teile original sind, wo frühere Reparaturen stattgefunden hatten und wie das Fenster konstruktiv aufgebaut ist. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei der Kennzeichnung: Jede Schraube, jeder Beschlag und fast jede Glasscheibe wurde dokumentiert und dem jeweiligen Einbauort zugeordnet, denn historische Beschläge wurden oft millimetergenau auf ihr Fenster abgestimmt.

Das Freilegen alter Farb- und Kittschichten zeigte sich als einer der sensibelsten Arbeitsschritte. Die Studierenden erfuhren, dass alte Farbschichten die Geschichte eines Fensters erzählen und nicht pauschal entfernt werden sollten. Tragfähige Schichten, die noch fest haften, dürfen bleiben.

Ein zentrales Thema der Summer School war die Holzreparatur. Hier mussten die Studierenden lernen, zwischen dem zu unterscheiden, was erhalten werden kann, und dem, was wirklich ersetzt werden muss. Altes, langsam gewachsenes Holz kann trotz seines Aussehens noch sehr stabil sein. Besonders der Wetterschenkel, als am stärksten witterungsbelasteter Bereich des Fensters, wurde eingehend untersucht. Für kleinere Fehlstellen und Risse kam das „Repair Care 2K Epoxidharz“ zum Einsatz, das vollständig reversibel ist und sich in seinen physikalischen Eigenschaften am originalen Material orientiert.

Ebenso intensiv beschäftigten sich die Teilnehmer mit der Aufarbeitung historischer Metallbeschläge. Bänder, Griffe, Vorreiber und Schließteile wurden gereinigt, auf ihre Funktion geprüft und behutsam wieder gangbar gemacht, ohne dabei ihre Patina und ihre Gebrauchsspuren zu zerstören. Denn auch diese erzählen von der langen Nutzungsgeschichte eines Fensters.

Den Abschluss bildeten Verglasung, Anstrich und Montage. Die Studierenden erfuhren, dass das Einsetzen des Glases mit Leinölkitt kein einmaliger Handgriff ist, sondern ein wiederkehrender Prozess: prüfen, vorbereiten, einsetzen, kitten, Glasfeld für Glasfeld. Und dass Leinölfarbe nicht durch dicke Schichten schützt, sondern durch sorgfältiges, dünnes und bewusstes Auftragen. Erst wenn das fertig montierte Fenster wieder ruhig schließt und alle Beschläge sauber greifen, gilt die Sanierung als abgeschlossen.

Eine der eindrücklichsten Erkenntnisse der Summer School war der Umgang mit Glas. Als empfindliches und wenig fehlerverzeihliches Material verlangt es höchste Sorgfalt und Konzentration. Zu Beginn der Woche wiesen zwei Fenster bereits gebrochene Scheiben auf. Am Ende mussten insgesamt zehn Glasscheiben ersetzt werden, ein stilles Zeugnis davon, wie schnell ein unachtsamer Moment an einem historischen Fenster Spuren hinterlässt.

Historisches Fenster zweiflügig
© Theresa Haase
Plakatankündigung Summerschool

Die Summer School „Denkmal und Fenster" vermittelte so weit mehr als handwerkliche Techniken. Sie schärfte den Blick dafür, dass ein historisches Fenster Geschichte trägt, und dass eine gute Reparatur nicht daran gemessen wird, wie viel erneuert wurde, sondern wie bewusst und respektvoll entschieden worden ist.

Projektbeteiligte: Vincent Opel, Theresa Haase, Marina Nieberle, Philipp Ecker
Studierende: Alexandra Wörgel, Nico West Villanueva, Manuel Wiedmann, Isabella Hehl, Luisa Marie Krist, Simon Koch, Elena Löflath

Obacht

Ein Fenster denkmalpflegerisch herzurichten erfordert Vorbereitung und Abstimmung mit der unteren Denkmalschutzbehörde